Was ist Philosophie, was sind die Merkmale, was ist ihr eigentlicher Gegenstand?
Mit dem Weltganzen (oder auch dem sinnlich nicht Erfahrbaren) befasst sich die Metaphysik, mit dem Sein in seiner Gesamtheit die Ontologie; die Logik ist die Lehre vom richtigen Denken und von der Wahrheit, die Ethik vom richtigen Handeln, die Erkenntnistheorie vom Erkennen und seinen Grenzen, die Ästhetik vom Schönen. Von der Natur handelt die Naturphilosophie, von der Kultur die Kulturphilosophie, von der Geschichte die Geschichtsphilosophie, vom Staat die Staatsphilosophie, von der Sprache die Sprachphilosophie usw.
In der Tat ist es dieser Zug aufs Ganze und Umfassende, der die Philosophie von den Einzelwissenschaften unterscheidet: während diese sich in der Regel die Erforschung und Darstellung eines bestimmten und begrenzten Gebietes zur Aufgabe setzen, ist der Philosophie das Bestreben eigen - auch dort, wo sich das philosophische Denken zunächst auf einen bestimmten und begrenzten Gegenstand richtet (s.o.) - die einzelnen Erscheinungen in einen umfassenden Zusammenhang einzuordnen, einen gemeinsamen Sinn in ihnen aufzufinden und auch die Ergebnisse de Einzelwissenschaften in einer Zusammenschau zu einem einheitlichem Weltbild, einer Weltanschauung, zu verbinden.
Was die Philosophie in diesem Zusammenhang auszeichnet, ist das Denken als ihr eigentliches Mittel. Die Religion appelliert ihrem Wesen nach in erster Linie an den Glauben und an das Gefühl, nicht an den Verstand. Die Kunst wiederum ist auch nicht Denken, sondern Gestaltung eines Inneren in eine äußere Form, die freilich, wenn sie vollendet ist, das Ganze des Seins zum Ausdruck bringen kann.
Der große Immanuel Kant hat im hohen Alter rückschauend auf sein Lebenswerk, in einem Brief gesagt, dass seine Arbeit auf die Beantwortung von drei Fragen ausgegangen sei:
Was können wir wissen?
Was sollen wir tun?
Was dürfen wir glauben?
In diesen Fragen sind die Dinge angerührt, die jeden denkenden Menschen zu jeder Zeit bewegt haben und bewegen. Die erste Frage betrifft das menschliche Erkennen. Wie ist die Welt beschaffen? Wie habe ich sie mir vorzustellen? Was kann ich von ihr wissen? Und kann ich überhaupt etwas Sicheres über sie wissen?
Die zweite geht auf das menschliche Handeln. Wie soll ich mein Leben gestalten? Was kann ich vernünftigerweise und was soll ich erstreben? Wie verhalte ich mich zu meinen Mitmenschen? Wie gegenüber der menschlichen Gesellschaft?
Die dritte Frage betrifft das menschliche Glauben. Sie zielt auf Dinge, von denen zwar nicht sicher ist, ob wir etwas Genaues über sie ausmachen können, die uns aber trotzdem unabweislich bedrängen, wenn wir unserem Leben einen Sinn geben wollen. Gibt e eine höhere Macht? Ist jeder Mensch frei oder unfrei in seinem Willen? Gibt es eine Unsterblichkeit? Über allem schwebt natürlich die Grundfrage: Lassen sich diese Fragen überhaupt beantworten, auf Grund welcher Gewissheiten und Beweise, und wo liegt die Grenze zwischen den Bereichen des Wissens und des Glaubens, sofern ein solcher neben dem reich des Denkens besteht?
In der sehr vielgestaltigen griechischen Philosophie kommen alle obigen drei Fragen zur Geltung, mit einer gewissen Bevorzugung des Erkennens und Handelns. Die abendländische Philosophie des Mittelalters legt das Schwergewicht wiederum auf die ewigen Fragen nach Gott, der Freiheit, der Unsterblichkeit, daneben auf Gut und Böse im menschlichen Handeln. Erst im europäischen Denken der Neuzeit entfaltet sich das Erkenntnisproblem in seinem ganzen Umfang.
Der Philosophieunterricht thematisiert also genau das, was menschliches Leben ausmacht: die Frage nach Gut und Böse, einem Leben nach dem Tod, dem Dasein eines Gottes, der Existenz oder Nichtexistenz der Freiheit o.ä. Fragen, worauf die Naturwissenschaften gemäß ihrem Selbstverständnis keine Antwort geben können, auf die wir Menschen aber eine Antwort haben wollen.
Dazu werden eigene Überlegungen angestellt, aber natürlich klassische Texte von „Philosophen“ hinzugezogen, die sich genau darüber Gedanken gemacht haben. Und dass es auf jede Frage nur e i n e richtige Antwort gibt, wird versucht, genau diese zu finden, damit das Ergebnis kein diffuses Ungefähres bleibt. Gemäß dem Selbstverständnis als bischöfliches Gymnasium wird dabei die metaphysische Dimension der Philosophie besonders herausgestellt.
Beispiel für eine Kurssequenz Philosophie von 11.1 bis 13.2
11.1: Einführung in die Philosophie
Intentionen und Dimensionen philosophischen Fragens, Grundformen philosophischen Denkens, Anleitung zu exaktem Denken, zu präziser Argumentation, Schulung des begrifflichen Unterscheidungsvermögens, philosophischer Methoden und Arbeitsformen, Einüben in die Formen schriftlicher und mündlicher Leistungskontrolle
11.2: Probleme der Bestimmung des Menschen (Philosophische Anthropologie)
oder
11.2: Probleme des Denkens und Erkennens (Erkenntnistheorie)
12.1: Probleme menschlichen Handelns (Philosophische Ethik/Moralphilosophie)
12.2: Probleme einer Philosophie des Rechts, des Staats, der Gesellschaft, der Politik, der Geschichte (Rechts-, Staats-, Geschichtsphilosophie, Politische Philosophie)
13.1 u. 13.2: Probleme der Metaphysik und Ontologie, oder: Naturphilosophie, oder: Philosophische Ästhetik, oder: Kulturphilosophie, oder: Wissenschaftstheorie, oder: Technikphilosophie, oder: Logik, oder: Religionsphilosophie, oder: Sprachphilosophie, oder: Kulturphilosophie
„Die Philosophie“ und „das Philosophieren“ ergänzen sich wechselseitig: Die Fähigkeit zum Philosophieren soll dadurch erworben werden, dass das Philosophieren an der klassischen Philosophie geschult wird, um die Schülerinnen und Schüler im begrifflich klaren und stringenten Denken zu üben und dadurch zu vernünftig nachvollziehbaren Entscheidungen zu bringen.
Von daher ist neben der freien Problem- und Sacherörterung der philosophische Text das entscheidende Medium des Philosophieunterrichts. Dadurch wird den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, nicht nur philosophische Positionen kennen zu lernen, sondern auch selbst philosophisch zu argumentieren, „d.h. im Nachvollzug des Vorgedachten, das Denken zu erlernen.“ (vgl. Richtlinien Philosophie S.29)
Neben der Lektüre von „Grundwerken“ der „klassischen Philosophen“, im Original als „Ganzschrift“ oder anhand von Textauszügen in Lehrwerken oder Textsammlungen, wird auch auf „Sekundärmedien“ (Bilder, Filme, literarische Texte, o.a., vornehmlich zur Problemeröffnung) zurückgegriffen.
Ein besonderes Angebot im Fach Philosophie stellt die alljährlich mögliche Teilnahme am Landeswettbewerb „Philosophischer Essay“ dar.

