Markt 1

52511 Geilenkirchen

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Geschichte der Schule

Das heutige Bischöfliche Gymnasium St. Ursula in Geilenkirchen geht auf eine Gründung von Ursulinen zurück, die sich seit jeher die Mädchenbildung und -erziehung zur Aufgabe gemacht hatten.

Als sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung auch in der Bürgermeisterei Geilenkirchen bemerkbar machte - der Anstieg der Bevölkerungszahlen zwischen 1820 und 1871 um rund 35% sowie der Bahnanschluss im Jahre 1852 mögen dies u.a. be­legen -, öffnete im Jahre 1850 eine private Höhere Töchterschule für Geilenkirchen und Hünshoven ihre Pforten. In Ermangelung geeigneter Lehrerinnen war ihr allerdings keine lange Existenz be­schieden. Es ist der Initiative des damaligen Geilenkirchener Oberpfarrers und Dechanten Martin Heyden zu verdanken, dass bereits 1855 drei Schwestern der Ursulinen aus dem benachbarten niederländischen Sittard den Weg in die aufstrebende Gemeinde an der Wurm fanden und hier die Volksschule für Mädchen über­nahmen, welche mit ihren etwa 200 Schülerinnen zunächst in einem Hause am Markt untergebracht war. Schon im folgenden Jahr 1856 eröffneten die Klosterfrauen daneben erneut eine Höhere Töchterschule, die nun - wie auch die genannte Volks­schule - ihren Sitz in der alten Burg des Ortes nahm.

Diese auch heute noch nach zum Teil verheerenden Kriegszerstö­rungen im Wesentlichen vorhandene Anlage war einst Sitz des Amtes Geilenkirchen im Herzogtum Jülich und spielte deshalb als Verwaltungssitz für die Menschen des Umlandes über Jahrhun­derte hinweg eine bedeutende Rolle. Ihr Kern, die alte Hauptburg, deren Bausubstanz aus der Zeit des 14./15. Jahrhunderts (u.a. der Burgturm) bis hin zum Jahre 1803 (u.a. wesentliche Teile des Burghauses) stammt, wurde nach dem Erwerb durch die Ursulinen 1857 auch Sitz des neu gegründeten Klosters. Ob das 1859 er­wähnte Pensionat - gemeint ist das Internat, das 1861 bereits 35 Mädchen beherbergte - damals schon in der Vorburg mit ihren spätmittelalterlichen (westlicher Wirtschaftstrakt) und frühneu­zeitlichen (Torhaus, datiert 1649) Gebäuden untergebracht war, muss vorerst offen bleiben. Immerhin bauten die Ursulinen die Burganlage für ihre Zwecke aus. So konnte 1863 u.a. eine geräu­mige Klosterkapelle als Verbindungsbau zwischen Vor- und Haupt­burg geweiht werden.  

Der Neugründung war dieses Mal zwar ein längeres, aber trotzdem kein langes Leben beschieden: Der Kulturkampf bedrohte ab 1876 die Existenz von Schule und Kloster, die - nach zweimaligem Auf­schub - drei Jahre später vorerst ihre Pforten zu schließen hatten. Die Ursulinen gingen daraufhin über die nahe Grenze in die be­nachbarten Niederlande nach Helden bei Venlo, wo sie ihre Arbeit fortsetzten. Statt Kloster und Schule - im Internat hatten zuletzt etwa 100 Schülerinnen gelebt - beherbergten die Gebäude im Burgbereich nun das Amtsgericht, die Kreisverwaltung und die Amtsräume des Landrats. Zumindest das Amtsgericht war noch 1904 in den Räumen der Vorburg untergebracht.  

Erst ein knappes Jahrzehnt später, im Herbst 1888, gelang es den Ursulinen nach der Beilegung des Kulturkampfes, die Höhere Töchterschule in Geilenkirchen wieder zu eröffnen und ihr Kloster erneut in Besitz zu nehmen. In der Folgezeit war der Institution Erfolg beschieden: Da ist nicht nur die Verselbständigung des Klosters zu nennen, das bis 1917 immer noch von seinem nieder­ländischen Mutterhaus in Venlo abhängig war; schon 1909 hatte die Lehranstalt den Status eines Lyzeums erhalten, also einer zehnjährigen Schule, an der die Schülerinnen die Mittlere Reife erwerben konnten. Diesem inneren Ausbau musste ein äußerer folgen, da die bisherigen Unterrichtsräume sich als ungünstig erwiesen und 1917 immerhin 254 Mädchen gezählt wurden, von denen 95 im Internat lebten. Deshalb begann man noch vor dem Ersten Weltkrieg mit den Vorbereitungen für einen Erweiterungs­bau, der dann in den Jahren 1915 bis 1917 ausgeführt wurde, so dass die Einrichtung ein für damalige Verhältnisse modernes und geräumiges Schulhaus in den Formen des späten Jugendstils an der Stelle der alten östlichen Vorburg erhielt. Den Übergang zwi­schen dem Torturm aus der Mitte des 17. Jahrhunderts und dem Neubau, der heutzutage als „Altbau“ bezeichnet wird, vermittelt ein niedriges Wohngebäude, das dem Hausgeistlichen von Schule und Kloster als Unterkunft diente.  

Mit diesen Schritten war der Ausbau der Schule aber keineswegs abgeschlossen. Nach den Krisenjahren der Weimarer Republik gelang es 1924, die Anerkennung als Oberlyzeum zu erhalten - ein Akt, der es den Ursulinen nunmehr ermöglichte, die Unterrichtstä­tigkeit bis zum Abitur fortzusetzen, das dann erstmals drei Jahre später abgehalten wurde.  

Die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur ab 1933 unterbrach die so erfolgreichen Jahre bald. Zwar konnten die Ursulinen die Schule zunächst noch halten - dem Landrat und der Direktorin, Mater Antonine Angenendt, gelang dies mit List und Tücke -, doch im Frühjahr 1940 ließ sich das Unvermeidliche nicht mehr länger hinauszögern: Die Ursulinen mussten die Trägerschaft ihrer Schule mitsamt dem Internat an den Staat abgeben; die Wirtschaftsfüh­rung durften sie behalten: Als Putzfrauen, Wäscherinnen und Köchinnen beispielsweise waren die Schwestern der neuen, national­sozialistisch orientierten Leitung willkommene, weil billige Arbeitskräfte. Die Gleichschaltung wurde auch äußerlich sichtbar, indem die Lehranstalt den Namen des Hünshoveners Nikolaus Becker erhielt, also den jenes national ausgerichteten Dichters des 19. Jahrhunderts, dessen Lied „Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein“ den braunen Machthabern nicht gerade unsympathisch war!  

Nachdem die Kriegsmaschinerie im Herbst 1944 über Geilenkirchen hinweggewalzt war, die Stadt im Zuge der Kriegs­handlungen mehrfach den Besitzer gewechselt und dabei schwere Zerstörungen erlitten hatte, standen die Schwestern vor den Trümmern ihrer Gründung: Von der alten Kernburg ragten nur noch Ruinen in den Himmel, die höchst einsturzgefährdeten und aus dem 19. Jahrhundert stammenden Reste von Kapelle und Internat hatten noch die Alliierten abgeräumt, das Schulhaus und die übrigen Trakte waren schwer beschädigt. Doch die Ursulinen gingen sofort an den Wiederaufbau: Bereits Anfang 1946 erhielt die Direktorin Mater Antonine Angenendt die Genehmigung, eine private „Studienanstalt der Ursulinen“ zu eröffnen, die ab 1947 wieder den Unterricht aufnahm und 1952 in „Neusprachliches Mädchengymnasium und Gymnasium für Frauenbildung“ umbe­nannt wurde. Seit dem Tode von Mater Antonine 1948 stand die Schule unter der Führung von Mater Mechthild Fredemann, der letzten Schwester in dieser Position. In ihre Amtszeit fiel auch im Wesentlichen der äußere Aufbau nach dem Kriege: die Wiederher­stellung des heute sogenannten Altbaus sowie der Neubau des Internats im Anschluss an die westliche Vorburg und ab 1955 der von Kapelle und Kloster, welches aber in seiner äußeren Gestalt dem historischen Vorgängerbau angenähert wurde. Lediglich der zerschossene Burgturm blieb in seinen oberen Geschossen Ruine. Da die Schule zusehends wuchs - 1959 besuchten sie 450 Schüle­rinnen - wurde bald nach Abschluss des Wiederaufbaus ein Erweiterungsbau nötig, der 1962-63 mit großzügiger Unterstüt­zung des Landes Nordrhein-Westfalen durchgeführt werden konnte und gemeinsam mit der Pausenhalle als dem Verbindungs­stück zum jetzt so genannten Altbau diesen parallel zur Wurm nach Norden fortsetzte. Dem gut ein Jahrzehnt älteren Neubau gliederte man um die Mitte der Siebzigerjahre noch eine neue, geräumige Turnhalle an, um auch hier den modernen Erfordernissen Rechnung zu tragen.  

Parallel zu diesem äußeren Ausbau zeigten sich aber in zuneh­mendem Maße auch krisenhafte Symptome, die nicht zuletzt im gesellschaftlichen Umbruch der Wirtschaftswunderjahre wurzelten und den fortschreitenden Säkularisierungsprozess beschleunigten. Resultate dieser Entwicklung waren u.a. der mangelnde Nach­wuchs im Orden selbst, der schließlich eine finanzielle Krise nach sich zog, so dass die Ursulinen für die Zukunft ihre Trägerschaft in Frage gestellt sahen. Dass die Schule seit 1970 koedukativ ge­führt, dass die Leitung 1974 in „weltliche Hände“ - in die Karl Eschweilers - gelegt, dass im gleichen Jahr die Differenzierte Oberstufe eingeführt, dass 1978 das Internat geschlossen wurde und dass sich endlich mit dem Bistum Aachen ein solider Träger fand: All das macht den Umbruch jener Jahre deutlich!

Doch mit dem Wechsel in der Trägerschaft und dem bereits früher erfolgten in der Leitung war ein sicheres Fundament geschaffen worden, auf dem weiter aufgebaut werden konnte; und der Ruf festigte sich: Spürbarstes Zeichen waren die Schülerzahlen, die seither ansteigen. Im Herbst 1980 besuchten 899 Jugendliche die nunmehr „Bischöfliches Gymnasium  St. Ursula Geilenkirchen“ ge­nannte Schule, die dort von 53 Lehrerinnen und Lehrern unter­richtet wurden. Und dieser Aufwärtstrend setzte sich in der Folge­zeit fort; der Andrang während der Anmeldungszeiten führt dies alljährlich erneut vor Augen. Unter der derzeitigen Leitung von Matthias Küsters hatte die Schule eine Schülerzahl von 1275 im Schuljahr 1999/2000 erreicht; das Lehrerkollegium zählte zum gleichen Zeitpunkt 78 Mitglieder.  

Daneben schritt auch der äußere Ausbau der Schule fort. Dass die im aus den Sechzigerjahren stammenden so genannten Neubau gelegenen Physik- und Chemieräume nach mehr als 30 Jahren der Sanierung bedurften, ist nicht weiter verwunderlich! Die übrigen und zum Teil erheblichen Baumaßnahmen standen dagegen in einem größeren Zusammenhang: Der Konvent der Ursulinen, der nach der Übergabe der Schule in die Trägerschaft des Bischofs von Aachen bestehen geblieben war, hatte sich mangels Nachwuchs in den Achtziger- und Neunzigerjahren erheblich verkleinert. Da den zum Schluss verbliebenen sechs Schwestern die alte Klausur in der Hauptburg zu groß geworden war, gelang es, eine geschickte Lösung zu finden, die der fast chronisch unter Raumnot leidenden Schule deutlich mehr Spielraum verschaffte: Das Bistum baute in einem Teil des Konventsgartens einen den modernen Erfordernissen der Schwestern entsprechenden kleinen Kloster­bau, in den diese im Herbst 1996 übersiedelten. In anderthalbjäh­riger Bauzeit konnte die alte Klausur im Haupthaus der Kernburg für Schulzwecke nutzbar gemacht werden: Hier finden sich nun­mehr großzügige Räumlichkeiten für die Fächer Musik und Kunst sowie für mehrere Klassen bzw. Kurse. Die aus der Wie­deraufbauphase stammende Kapelle wurde profaniert und zur Aula umgestaltet; lediglich im Bereich des ehemaligen Schwesternchores existiert nun ein „Raum der Stille“, der für Gottesdienste genutzt wird. Die regelmäßigen Schulmessen finden allerdings nach wie vor in der benachbarten Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt am Markt statt, da nur sie die benötigte Platzzahl bietet.

Schneller als erwartet ging dann schließlich ein fast 150 Jahre währendes Kapitel der Geilenkirchener Geschichte zu Ende, als die sechs verbliebenen Ursulinenschwestern im Spätsommer 1998 ihr gerade neu bezogenes Haus krankheitshalber aufgeben mussten: Der Konvent wurde aufgelöst, sein Gebäude fiel an das Bistum zurück und beherbergt nach einer Umbauphase nunmehr die modernen Fachräume Biologie in einem höchst ansprechenden Ambiente.

Das Bistum Aachen hat sich den äußerlichen Ausbau der Schule, der sich auch in den folgenden Jahren fortsetzen wird - so beste­hen u.a. Überlegungen, die Burgturmruine für Unterrichtszwecke nutzbar zu machen -, seit dem Amtsantritt des derzeitigen Schul­leiters Matthias Küsters im Jahre 1994 mehr als 5,6 Millionen Euro kosten lassen. Aber auch im Inneren existiert ein vielfältiges Schulleben, das sich an einem von Lehrern, Eltern und Schülern erarbeiteten Schulprogramm orientiert. Mit diesem auf christlich-katholischer Grundlage stehenden zukunftsorientierten Profil steht die Schulgemeinde nicht nur in der Mitte des zweiten Jahrhunderts ihres Bestehens, sondern sie geht damit ins dritte nachchristliche Jahrtausend!

Christoph Nohn